Partschins, Rabland, Töll | Das Tor zum Naturpark Texelgruppe

Partschinser Sagenweg

Wanderung zu vorchristlichen Siedlungs- und Kultstätten

Von Partschins (625 m) wandern wir zum Weiler Vertigen, wo wir bei der Jausenstation Grasweger Keller (743 m) den landschaftlich einmaligen Partschinser Waalweg erreichen. Wir gehen in Richtung Westen und treffen am Buhnholz auf den ersten prähistorischen Schalenstein, auf welchem 8 Grübchen (teilweise beschädigt) verschiedener Größe zu beobachten sind. Diese Vertiefungen im Stein werden als Schalen bezeichnet; sie stammen aus der Zeit des mittleren Neolithikums (ca. 4.500 – 3.000 v. Chr.). Es handelt sich um stumme Zeugen der Ursiedler, deren Bedeutung viele Rätsel aufgibt und wohl nie ganz geklärt werden kann. Die Forschung vermutet in ihnen u.a. Fruchtbarkeitssymbole, die kultischen Zwecken dienten.

Begleitet vom munter plätschernden Wasser gehen wir weiter zum Schwolbnkofl, einem vorgeschichtlichen Wohnstein, etwas oberhalb des Waalweges gelegen, und erreichen in einigen Minuten das aussichtsreiche Anderleiter Egg (775 m). Hier verlassen wir den Waalweg und biegen in Richtung Norden ab. Hier beginnt der Geadaweg, der über das Kleine Bergl bis zur Tablander Straße hinaufführt. Zu beiden Seiten des schmalen Steiges kann der aufmerksame Beobachter geheimnisvolle Schalensteine und Kultstätten aus vorgeschichtlicher Zeit entdecken. Gleich am Anfang beobachten wir kümmerliche Mauerreste, sowie eine Steinplatte mit zwei Kreuzen und 9 m links eine weitere mit einer rätselhaften Einkerbung. Rund 40 m weiter befindet sich rechts vom Steig ein Koog (Viehpferch), welcher einst der Unterbringung des Weideviehes diente. Etwas oberhalb treffen wir auf eine Wohnhöhle (ca. 3.000 - 500 v. Chr.), die sagenumwobene Stuaner-Geada-Hütt. Im Inneren der Höhle befindet sich eine Feuerstelle mit einem offenen Rauchabzug.

In dieser Höhle hauste einst die Stuaner Geada (Gertraud vom Steinerhof), eine böse Hexe, von der in Partschins gar manches erzählt wird. Einmal braute sie ein furchtbares Gewitter zusammen, dass es beinahe das Dorf und die Kirche St. Helena in Töll zerstört hätte, während beim Greiterhof die Sonne strahlend vom Himmel lachte. Die Hexe ernährte sich von Würmern, Mäusen und Ratten, die sie mit einem eigenen Sprüchlein herbeizulocken verstand. Auch sollen ihr die geheimen Namen der Tiere bekannt gewesen sein. Bei schönem Wetter saß sie auf dem großen Stein, Geada Zopfnstuan genannt, der die Höhle überdacht, und spann mit ihrem Spinnrad die Schafwolle zu riesigen Knäueln. Dabei soll ihr der Teufel, mit dem sie im Bunde stand, lustige Gesellschaft geleistet haben. Auf dem Scheitel des Steines kann man noch deutlich die Sitzfläche der Hexe, die Einkerbungen des Spinnrades und sogar den in den Stein eingebrannten Abdruck der Feuerhand des Teufels erkennen. Bei diesen in den Stein gravierten 11 Vertiefungen, davon 2 Teufelshände, handelt es sich ebenso um Kultzeichen, die in grauen Zeiten entstanden sind. Hinter der Wohnhöhle befindet sich der Hexenplatz, auf dem sich einst die Hexen versammelten und ihr Unwesen trieben. Im Bereich der Wohnhöhle sind einige kümmerliche Mauersetzungen zu erkennen.

In kurzer Entfernung von dieser geheimnisumwitterten Wohnhöhle erreichen wir die Teufelsplatte, die sich etwas abseits vom Steiglein befindet. Auf der kleinen Steinplatte sind 2 Frauenfußabdrücke und 6 Paar Ziegenfußabdrücke zu erkennen. Die Sage berichtet, dass der Teufel ein liederliches Mädchen aus dem Schnalstal herüber getragen, hier gerastet habe, um ihr langes blondes Haar zu kämmen. In nächster Nähe der Teufelsplatte befindet sich eine kleine Steinbank, die vermutlich kultischen Zwecken diente, und dicht am Abhang ein schöner Schalenstein mit 5 Vertiefungen.

Wir verlassen den geheimnisvollen Kultplatz und entdecken ein Stück oberhalb wiederum eine Steinbank, Rasterle Stein genannt. Wir gehen weiter in Richtung Ebnerhof und erreichen in einigen Minuten die Tablander Straße. Nun weiter nach rechts, wo direkt an der Straße ein besonders markanter Schalenstein, 941m, der 41 Schalen verschiedener Größe und 2 Kreuzchen aufweist, unsere Aufmerksamkeit erregt. Hier endet auch die rund 120 m lange zyklopische Mauer, bei der es sich um die Überreste einer prähistorischen Wallburg aus der Jungsteinzeit - ca. 3.000 – 500 v.Chr. - handelt. Die bis zu einem Meter hohe Wallringmauer zieht sich vom Schalenstein hinunter in unwegsames Gelände. In nächster Nähe, direkt an der Straßenkehre, befindet sich der gewaltige Golderskofel, 960 m, auf welchem ebenso mehrere Schalen und Kreuze zu beobachten sind. Nördlich anschließend an den Golderskofel befindet sich eine mit Mischwald und Gestrüpp bestandene Kuppe, in deren Bereich der aufmerksame Beobachter kümmerliche Mauersetzungen und lose herumliegende Steine entdecken kann. Es handelt sich dabei um die kläglichen Überreste einer kleinen prähistorischen Wohnsiedlung aus der Jungsteinzeit.

Nachdem wir vom Golderskofel die herrliche Aussicht genossen haben, wandern wir die Tablander Straße hinunter zum Salten. Beim obersten Haus, wo der Partschinser Waalweg, der vom Wasser des Zielbaches gespeist wird, seinen Anfang nimmt, liegt ein riesiger Felsblock, der Saltenstein. Wer die asphaltierte Tablander Straße meiden will, steigt wiederum den Geadaweg zum Partschinser Waalweg ab. Hier erreichen wir rechts abbiegend in wenigen Minuten den Saltenstein. Am Saltenstein halten wir beschauliche Rast, denn wir befinden uns wiederum an einem sagenhaften Ort. Die Sage erzählt, dass am Salten einst ein prächtiges Schloss stand, in dem Ritter Werdomer, Herr von Tabland, hauste. Er führte ein ausschweifendes Leben, unterdrückte und quälte seine Untergebenen und ermordete sogar seinen eigenen Vater. Im Jahre 1328 brach zur Nachtzeit das Strafgericht über die lasterhaften Schlossbewohner herein. Der Ginglsee im Zieltal durchbrach infolge eines fürchterlichen Unwetters seine Felsdämme und begrub das Ritterschloss und seine Bewohner unter Geröll und Schlamm. Unter dem Saltenstein soll noch die Glocke der Schlosskapelle begraben sein, die alle hundert Jahre, zu Peter und Paul am 29. Juni, läutet. Fromme Menschen sollen sie dann mit Hilfe von geweihten Gegenständen heben können, zusammen mit kostbaren Schätzen.

Um der asphaltierten Straße, die direkt nach Partschins hinunter führt, auszuweichen, gehen wir oberhalb vom Gasthaus Salten nach rechts, überqueren den Zielbach und gehen, am Amesauerhof vorbei, am Ufer des rauschenden Zielbaches entlang hinunter zum Gasthaus Winkler. Von dort erreichen wir links über die Hängebrücke Partschins bzw. geradewegs hinunter Rabland.

Schwierigkeitsgrad: leicht
Wegkennzeichnung: Stellt zwei Urjäger aus der Jungsteinzeit dar;
Startpunkt: Partschins
Gehzeit: ca. 2,5h
Höhenleistung: 350 m

Hinweis:

Durch die Benützung des Linienbusses, der in Partschins, sowie am Salten, Birkenwald und Wasserfall anhält, kann die Wanderung nach Belieben abgekürzt werden.


Schalenstein (ca. 4.500 - 3.000 v. Chr.)
"Schwolbenkofl" - vorgeschichtlicher Wohnstein
Steinplatte mit 2 Kreuzen
"Stuaner Geada Hütt"  Wohnhöhle (ca. 3.000 - 500 v. Chr)
Wallburg aus der Jungsteinzeit (3.000 - 500 v. Chr.)
Kleine Steinbank für kultische Zwecke